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Vom Fluch zur Faszination: Warum "Im Bann des Barrakudas" ein brillantes Hörerlebnis ist (Hörspiel Folge 236 von Die drei ???)

Seit Jahrzehnten begleiten Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews den Gastautor ZeroDot1 durch unzählige Detektivabenteuer. Als langjähriger Hörer der 'Die drei ???'-Hörspielreihe ist man gewissermaßen verwöhnt, was die konstant hohe Qualität der Produktionen angeht. Man entwickelt ein feines Gespür dafür, wann eine Folge das Zeug zum Klassiker hat. Und genau dieses Gefühl beschleicht ihn bei der Folge 236, 'Im Bann des Barrakudas'.

'Im Bann des Barrakudas' ist eine Produktion, die die vertrauten Elemente der Serie zelebriert, sie mit einer frischen Prise Magie würzt und technisch auf höchstem Niveau umsetzt. Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie zeitgemäß und fesselnd das klassische Hörspiel-Erlebnis im 21. Jahrhundert sein kann. Ich sage es direkt: Es ist schlichtweg ein klasse neues Abenteuer.

Die visuelle Gestaltung: Ein echter Hingucker mit Charakter

Der erste Kontakt, den wir als Fans mit einer neuen Folge haben, ist das Cover. Und hier liefert das Team bereits ab. Das Cover zur Folge ist ein echter Hingucker, der sofort eine düstere Stimmung verbreitet.

Silvia Christoph, die seit 1999 mit ihrer Kunst die visuelle Identität der Serie maßgeblich prägt, hat mit dieser Illustration wieder ins Schwarze getroffen und eine unverwechselbare Atmosphäre geschaffen.

Die tiefblaue Darstellung des titelgebenden Barrakudas, dessen scharfe Zähne im Halbdunkel lauern, fängt die mysteriöse und leicht gruselige Story perfekt ein. Zwar mag der dargestellte Fisch manchen Betrachtern ein wenig wie ein "mutierter Piranha" vorkommen.

Doch gerade diese leichte Überzeichnung und die ikonische Silhouette erzeugen eine unvergessliche Bedrohlichkeit, die hervorragend zum magisch-schaurigen Unterton des Falles passt. Die ganze Aufmachung ist einfach klasse und macht Lust auf mehr.

Die Geschichte: Magie, Mythos und ein spannendes Wiedersehen

Der Plot ist herrlich einzigartig. Zwar mögen unsere Detektive in der Vergangenheit schon mehrfach "Im Bann" gestanden haben – Drachen und Voodoo waren dabei, sogar ein Zauberer im Kids-Universum – aber die zentrale Idee ist fantastisch: Ein vor über hundert Jahren verstorbener Magier, Aden Tangury alias Baron Barrakuda, soll zurückgekehrt sein.

Die Legende besagt, er habe sich damals bei einem seiner Tricks in einen riesigen Fisch verwandelt – und nun scheint er höchstpersönlich den Abriss seines Wohnhauses zu verhindern. Das ist wirklich mal etwas Frisches!

Die Ausgangslage ist zwar vordergründig simpel – ein paar fanatische Anhänger wehren sich gegen den Abriss – aber Hendrik Buchna (ein Autor, der die Jungs gerne in doppelbödige Kriminalfälle mit fesselnder Grusel-Atmosphäre schickt) schafft es sofort, eine spannende Dynamik zu erzeugen. 

Die nächtlichen Sabotageakte, die die Bauherren teuer zu stehen kommen, und der scheinbare Spuk des Magiers bilden eine packende Mixtur. Der wahre Reiz für uns Fans liegt jedoch im emotionalen Anker des Falles: Alyssa ist zurück!

Alyssa kennen wir noch aus der Folge 'Die drei ??? und das blaue Biest' von vor zwölf Jahren. Dass sie Bob „Bobo“ Andrews noch eine Antwort schuldet und die Jungs jetzt in den Fall zieht, ist ein fantastischer dramaturgischer Kniff.

Es verleiht der Geschichte nicht nur einen starken emotionalen Motor, sondern schlägt auch eine schöne Brücke zur Serienhistorie. Die Bedingung, dass die Jungs ihren Fall übernehmen und vor allem lösen müssen, ist ein perfekter Aufhänger.

Die Detektive stehen vor der Herausforderung, herauszufinden, wer hinter dem Spuk steckt, der gegen Mitternacht die Demonstranten mit einer Zaubershow des Magiers unterhält. Augenzeugen-Videos können heutzutage bekanntlich leicht gefälscht werden, aber wie zur Hölle gelingt diesem Typen ein unbemerkter Auftritt an Orten, die eigentlich gesichert sind?

Die ersten Recherche-Schritte der Jungs, die sich wie gewohnt trennen – Justus bei den Bauherren, Bob bei den Fans und Peter an der Baustelle – legen geschickt die Fundamente für die spätere Auflösung, auch wenn der Spannungsbogen hier noch "gemächlich" steigt.

Die Akustische Umsetzung: Ein Fest für die Ohren und der Kern der Stärke

Ein absolutes Highlight dieser Produktion ist die akustische und allgemeine Umsetzung. Unter der Regie und Produktion der Hörspiel-Ikone Heikedine Körting ist ein Sound-Erlebnis entstanden, das die Stärken des Mediums voll ausspielt. Die Sounds sind durchweg sehr gut gelungen – sie sind nicht einfach nur Begleitung, sondern ein wichtiger Erzähler der Geschichte.

Besonders die Geräuschkulisse der nächtlichen Sabotageakte und die mysteriöse Show des Magiers sind beeindruckend realistisch und atmosphärisch. Man hört das Knistern der Magie, das Knarzen der alten Bausubstanz und die aufgewühlte Stimmung der Protestierenden.

Dies alles trägt dazu bei, Rocky Beach lebendig werden zu lassen und den Hörer tief in die Szenerie hineinzuziehen. Die Musik, verantwortet von einem starken Team um Jan-Friedrich Conrad und Thomas Körting, untermalt die Szenen stimmungsvoll.

Die Kompositionen unterstützen die Spannung und das Geheimnis perfekt, ohne jemals aufdringlich zu sein, was ein Markenzeichen der besten Europa-Produktionen ist.

Die Sprecherleistung: Altbekannte und neue Glanzpunkte

Die Qualität der Sprecherinnen und Sprecher ist gewohnt sehr gut und stellt einen Garanten für den Hörerfolg dar. Oliver Rohrbeck als Justus Jonas brilliert mit seiner unnachahmlichen Mischung aus Intelligenz und leichtem Sarkasmus.

Jens Wawrczeck verleiht Peter Shaw die nötige Portion Nervosität und Actionbereitschaft, die ihn immer wieder in Schwierigkeiten bringt. Andreas Fröhlich als Bob Andrews liefert die gewohnt solide Recherche-Arbeit und bildet mit seiner warmen Stimme den ruhigen Pol des Trios, gerade im Zusammenspiel mit Alyssa.

Die Chemie zwischen den dreien ist nach all den Jahren phänomenal. Doch auch die Gastsprecherleistungen sind herausragend. Sonja Stein als Alyssa bringt eine willkommene Tiefe und zusätzliche Motivation für Bob, und Marleen Lohse als Haley Darlow überzeugt in ihrer Rolle.

Auch die Nebenrollen, wie Till Huster als Conrad Wilmington oder natürlich die unverzichtbare Karin Lieneweg als Tante Mathilda, sind durchweg hervorragend besetzt und tragen maßgeblich zur Glaubwürdigkeit der Charaktere bei. Alle spielen großartig zusammen und machen dieses Hörspiel zu einem runden Erlebnis.

Eine differenzierte Betrachtung: Die fesselnde Langsamkeit

Ich bin mir der kritischen Stimmen bewusst, die bemängeln, die Story sei die schlechteste und passe von der Tiefe und Spannung her eher ins Kids-Universum. Es ist die Rede davon, dass die Spannung nur sehr gemächlich steige und man hätte die erste Hälfte "zusammenkürzen" können.

Diesen Standpunkt kann ich nur bedingt teilen und widerspreche ihm entschieden in Bezug auf die Gesamtqualität. Ich sehe hier keine Schwäche, sondern eine gewollte, klassische Erzählstruktur. Der Fall ist für mich ein klassischer "Slow Burn" – ein Detektivfall, der sorgfältig aufgebaut wird und auf ein fulminantes Finale hinarbeitet.

Der Autor hat die Zeit genutzt, um die verschiedenen Sabotage-Akte und das Verwirrspiel rund um Aden Tangury so zu verschachteln, dass am Ende eine komplexe Auflösung möglich ist. Die Unstimmigkeiten, die die Jungs bei ihren getrennten Recherchen finden, werden nicht sofort präsentiert, sondern wie Puzzleteile gesammelt.

Das ist gutes, solides Detektivhandwerk! Die Produktion kehrt zu einem Muster zurück, bei dem man als Hörer selbst miträtseln muss, ob die Fans instrumentalisiert werden oder ob hier doch mehr dahintersteckt.

Dass der Autor sich hier eine Menge Verschachtelungen ausgedacht hat, die am Ende wirklich beeindrucken und den Hörer fesseln, ist das verdiente Ergebnis dieser anfänglichen "Langsamkeit". Für mich geht es in diesem Fall nicht nur um die Geschwindigkeit, sondern um die hervorragende Produktion – der Sound ist echt klasse, die Sprecher sind genial.

Diese unbestreitbar hohe Qualität überstrahlt jede Kritik am Tempo. Die Auflösung ist komplex, der Hintergrund des Magiers wird clever in die Moderne übertragen, und das Finale rund um den Barrakuda-Magier hat mir persönlich sehr gut gefallen.

Mein Fazit: Klare Kaufempfehlung für einen sofortigen Klassiker

'Im Bann des Barrakudas' ist ein absolutes Highlight in der langen Reihe der 'Die drei ???'-Hörspiele. Diese Produktion ist einfach super! Sie vereint alle Elemente, die die Serie seit Jahrzehnten so erfolgreich machen: eine einzigartige, mysteriöse Grundidee, eine technisch herausragende Umsetzung und Sprecher, die in Topform sind.

Mit seiner clever konstruierten Handlung und dem fesselnden Finale hat dieses Hörspiel das Zeug dazu, bereits ein Klassiker kaum aus der Produktion zu sein. Wer sich auf den gemächlichen, aber clever konstruierten Spannungsaufbau einlässt, wird mit einer komplexen und befriedigenden Auflösung belohnt.

Es ist ein Erlebnis, das ich jedem Hörer wärmstens zum Kauf empfehlen kann. Ein Muss für jeden Fan! Und ich hoffe sehr, dass wir nicht wieder zwölf Jahre auf ein Wiedersehen mit Alyssa warten müssen. Bob und ich würden sich auf jeden Fall freuen. 

Offizielle Webseite:
shop.play-europa.de/products/die-drei-folge-236-im-bann-des-barrakudas-cd-longplay

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